1 00:00:01,500 --> 00:00:30,500 Hallo zusammen und herzlich willkommen zu meinem zwölften Podcast. Ich freue mich, dass ich ab sofort von der eigenen Instanz aus podcasten darf. Dies ist nur dank des unermüdlichen Einsatzes eines lieben Menschen aus dem Fediverse, Lorker, möglich geworden. Großen Dank an dich, du Alltagsheld. Das hier, der Neurobunt-Pod, soll 2 00:00:31,500 --> 00:01:01,500 eine kleine Instanz bleiben, von wo aus aber sehr gern noch die eine oder andere neurodivergente Person podcasten kann. Interessierte dürfen sich gern bei mir melden. Die Links zum neuen Abo findet ihr in den Infos zum Podcast. Diese zwölfte Folge hier teile ich sowohl in der alten als auch in der neuen Instanz. Ab der nächsten Folge geht es dann nur noch in der neuen Instanz weiter. 3 00:01:01,500 --> 00:01:02,500 Über die inzwischen nicht wenigen lieben und sehr motivierenden Rückmeldungen zu meinen Podcasts, insbesondere zur letzten Folge, freue ich mich sehr. Ich hoffe, ihr bleibt mir gewogen und zieht mit mir um, ich freue mich sehr über alle, die mir weiterhin folgen und den neuen Podcast abonnieren. Auch freue ich mich darauf, euch auch in der neuen Instanz aus meinem Leben imSpektrum erzählen zu dürfen. Wir haben letzte Woche gemeinsam über 4 00:01:33,000 --> 00:02:03,000 unserer unterschiedlichen Arten mit Stress umzugehen, nachgedacht. Ich bedanke mich nochmals ganz herzlich bei allen, die mitgemacht haben. Diese Idee fand Anklang, was mir Mut macht, hier mit meinem Versuch und eurer Unterstützung sowohl aufzuklären als auch Persönliches zu teilen, weiterzumachen. Ich danke euch. Stress also, da sind wir stehen geblieben. Stresserfahrungen rufen nach 5 00:02:03,000 --> 00:02:03,000 Ausgleich nach Erholung. 6 00:02:04,500 --> 00:02:34,500 Dafür gibt es sehr unterschiedliche Wege und Strategien. Manches tun wir unbewusst, manches sehr bewusst, weil wir merken, dass wir etwas tun müssen, um uns besser erholen zu können. Über das Wahrnehmen, Lernen eigener Bedürfnisse habe ich bereits wiederholt gesprochen, und dass das nicht für alle reich einfach ist. Viele von uns Menschen im neurodivergenten Spektrum lernen erst, oft erst nach der 7 00:02:34,500 --> 00:02:34,500 Diagnose oder nach intensiver Auseinandersetzung mit der Thematik, wer wir überhaupt sind, also was zu uns gehört und was wir uns im Laufe des Lebens als Schutzanzug quasi angeeignet haben. Bei diesen Prozessen kommen wir oft zur Erkenntnis, dass wir unsere Erholungsmethoden überdenken müssten. Oder wir gehören zu den Glücklichen, die intuitiv schon immer gewusst haben, wie wir unseren Energiehaushalt ausbalancieren. 8 00:03:04,500 --> 00:03:05,500 So oder so. 9 00:03:06,000 --> 00:03:35,000 Es ist ein herausforderndes Thema. Gut zu sich zu schauen, fällt vielen schwer. Kürzlich habe ich die neue Podcastfolge von Thalestria aus ihrem Podcast gehört. Ich verlinke Ihnen in den Infos zur Folge. In dieser Folge spricht sie über ihre Urlaubsvorbereitungen. Ich musste lächeln, denn auf meiner Podcast-Themenliste stehen als nächste Punkte die Stichworte ‹Umgang mit Ausnahmen› und ‹Erholungsstrategien›. 10 00:03:36,000 --> 00:04:06,000 Heute will ich da weitermachen, wo wir das letzte Mal aufgehört haben. Auf Stress folgt Erholung. Ja, auch Erholung ist für viele von uns eine ziemlich große Herausforderung. Gerade wenn es um längere Wochendenden, Feiertage oder Ferien- aka Urlaubszeit geht. Was brauchen wir? Gerade wenn wir verreisen wollen, sind solche Zeiten Ausnahmesituationen. Über Ausnahmesituationen erzähle ich später mehr. Zuerst will ich noch etwas über Erholung sagen. Über Ausnahmesituationen erzähle ich euch später mehr. 11 00:04:06,000 --> 00:04:06,000 Zuerst will ich aber noch etwas über Erholung sagen. 12 00:04:07,500 --> 00:04:37,500 Erholung hat für mich zwei unterschiedliche Bereiche. Der eine ist die alltägliche Erholung zu Hause im eigenen Reich und der andere ist die Erholung außerhalb meines Reichs, mit der großen Frage dazu, ob das überhaupt möglich ist. Wie kann ich mich außerhalb meiner Wohlfühlzone 13 00:04:37,500 --> 00:05:07,500 zur Ruhe kommen? Was brauche ich ganz persönlich dazu, dass es mir an einem unbekannten Ort gut gehen kann? Diese Art Erholung, also die außerhalb meines sicheren Ortes, ist immer ein Schritt in den Ausnahmezustand. Und wie gesagt, über Ausnahmezustände teile ich gleich ein paar persönliche Gedanken und Erfahrungen mit euch. Zuvor aber ein kleiner Aufruf, denn sehr gern möchte ich, 14 00:05:07,500 --> 00:05:08,500 das nächste Mal wieder eine Folge mit verschiedenen Stimmen und Texten machen, um die Vielfalt abzubilden. Jede Person regeneriert ja anders und braucht etwas anderes, um sich zu erholen. Manche von uns haben das Privileg und die theoretische Möglichkeit, verreisen zu können, bleiben dennoch lieber zuhause. Andere würden gern mal raus, können es sich aber nicht leisten. Wieder andere können es sich leisten wegzufahren und tun es auch. Manche finden Low Budget-Wege 15 00:05:39,000 --> 00:06:09,000 für ihren Tapetenwechsel, andere gönnen sich Hotelurlaube, manche brauchen Alleinurlaub, andere bloß nicht allein, und doch verbindet uns die Neurodivergenz. Sehr gern würde ich, wie gesagt, auch unsere Erholungsdiversität abbilden. Zumindest einen kleinen Ausschnitt. Erzählt mir also bitte schriftlich oder in einer Tonaufnahme, was für euch zur Erholung wichtig ist. 16 00:06:09,000 --> 00:06:09,000 Stellt euch in eurem Text- oder 17 00:06:10,500 --> 00:06:28,500 Audiobeitrag bitte kurz vor und teilt mit uns wie ihr euch am liebsten und am besten erholt erzählt was ihr in der Vorbereitungszeit alles so macht und wie ihr eure Urlaubstage idealerweise gestaltet und wenn ihr mögt auch gerne was für euch gar nicht geht. 18 00:06:30,000 --> 00:07:00,000 Eure Tonaufnahme soll maximal circa 3 Minuten dauern und in einer möglichst ruhigen Umgebung aufgenommen werden. Wenn ihr lieber einen Text schreibt, den ich an eurer Stelle einlesen darf, solltet ihr diese circa dreitausend Zeichen mit Leerzeichen nicht überschreiten. Schickt mir eure Beiträge bitte bis nächsten Dienstag, den 27. Mai abends. Das alles schreibe ich in die Infos zu dieser Folge. Jetzt aber etwas. 19 00:07:00,000 --> 00:07:00,000 Persönliches zu mir und zum Ausnahmezustand an sich und was er mit mir macht. Ich gehe davon aus, dass wir alle eine Art Ideal unseres Alltags haben. Angefangen beim guten Nachtschlaf und der Zeit nach dem Aufwachen, wie wir aufstehen, welche Dinge wir wann und wie tun, außerhalb oder innerhalb der Wohnung, wie der Feierabend aussehen soll, mit allen Dingen, die uns gut tun, zu Hause oder außerhalb der Wohnung. 20 00:07:30,000 --> 00:07:31,000 Was bei normtypische Menschen gern mal so mal so mal anders sein soll und darf, natürlich auch da je nach Typus, ist bei Menschen im Spektrum idealerweise oft gleich oder ähnlich. 21 00:07:31,500 --> 00:07:44,500 Für neurodivergente Menschen ist das Alltagsideal häufig sehr klar definiert. 22 00:07:46,500 --> 00:08:16,500 Darüber sprachen wir ja auch in der letzten Folge, und ich habe auch in den Folgen davor einiges aus meinem Leben erzählt. Abweichungen von unserem persönlichen Ideal erzeugen je nach Heftigkeit große Verunsicherung, großen Stress. Es ist, wie wenn du nachts auf einem vertrauten Weg mit dem Rad fährst und auf eine Straße fährst. 23 00:08:16,500 --> 00:08:46,500 Einmal das Licht ausgeht, das von den Straßenlaternen zuerst, und dann auch noch das an deinem Rad. Da stehst du also plötzlich ohne Licht. Was tust du? Erstmal anhalten, absteigen, gucken oder fühlen, ob das Problem sich irgendwie durch Fummeln und Ruckeln lösen lässt, vielleicht nach einer Taschenlampe suchen, aber ach, der Handy-Akku ist ja auch gleich leer, vielleicht mit den letzten 24 00:08:46,500 --> 00:08:47,500 Akku-Prozenten Hilfe 25 00:08:48,000 --> 00:09:17,000 holen oder selbst probieren, den Weg kennst du ja eigentlich, eventuell, und vielleicht kommt ja der Mond aus den Wolken heraus, du entscheidest dich irgendwann, das Rad schiebend weiterzugehen, denn die Füße spüren ja den Boden, und du wirst ja schon merken, wenn du auf einmal nicht mehr auf dem Weg sein solltest, auch die ungefähre Richtung kennst du, also mutig voran, während in dir drin Horrorszenarien ablaufen und dein Herz 26 00:09:18,000 --> 00:09:19,000 bis in die Ohren poltert. 27 00:09:21,000 --> 00:09:51,000 Ein bisschen so und ein bisschen anders, natürlich, fühlt sich für Autist*innen Ausnahmesituation an. Je nachdem, was es ist, und ob es eine kürzer oder längerfristige Ausnahme ist, können wir damit schlechter oder besser umgehen. Abhängig auch von unserer Tagesform und von der vorangegangenen Denkarbeit, um uns auf solche Ausnahmen vorzubereiten. Wenn ich als Beispiel einer Ausnahmesituation 28 00:09:51,000 --> 00:10:21,000 in eine größere Stadt fahren soll, wo ich in einer mir unbekannten Klinik eine bestimmte Untersuchung machen lassen muss, weiß ich vorab, dass das ganze Paket eine einzige große Ausnahmesituation darstellt, die aus vielen kleineren Ausnahmesituationen besteht, aus vielen zusätzlichen unvorhersehbaren Situationen, wie zum Beispiel diesen. Ich finde den Raum nicht, wo ich hin soll. Es gibt Terminprobleme wegen Doppelbuchungen, 29 00:10:21,000 --> 00:10:22,000 unfreundliches Personal, Unterlagen, 30 00:10:22,500 --> 00:10:52,500 die noch nicht eingetroffen sind. Auch der Weg ist voller Unwägbarkeiten. Der Zug könnte sich verspäten, oder die Autobahn könnte mit Staus vollgestopft sein. Bei solchen vorhersehbaren Ausnahmesituationspaketen bereiten sich alle Autistinnen, die ich kenne, akribisch auf alle möglichen Situationen vor. Fahrpläne oder Navigationsprogramme werden studiert und Klinikpläne heruntergeladen. Der Fußweg vom Bahnhof 31 00:10:52,500 --> 00:11:22,500 zur Klinik anhand von Karten auswendig gelernt. Dialoge werden geübt und im Kopf durchgespielt. Und wir sehen uns vor allem eine Art Ideal innerhalb des Ausnahmezustandpakets herbei, das entweder eintrifft oder nicht. Und natürlich schreiben wir ein paar Listen, notieren zum Beispiel, was wir alles, für alle möglichen Eventualitäten, einpacken müssen. Vielleicht üben wir sogar an den Tagen davor, 32 00:11:22,500 --> 00:11:22,500 den anderen Tagesrhytmus, den uns der 33 00:11:24,000 --> 00:11:25,000 Klinikbesuch abverlangt. 34 00:11:27,000 --> 00:11:57,000 Wir sind vor allem in hoher oder höchster Alarmbereitschaft. Und das oft schon manche Tage im Voraus. Und zwar egal, ob es etwas eher Schwieriges ist oder ob wir eine Ferienreise planen. Denn wie gesagt, es können dies auch schöne Anlässe sein, diese Ausnahmezustände, auf die wir uns derart penibel vorbereiten. Mit der richtigen Vorbereitung, das haben wir im Laufe unseres Lebens gelernt, können manche Ausnahmesituationen 35 00:11:57,000 --> 00:12:27,000 erträglich werden und im Idealfall sogar richtig Freude bereiten. Stichwort Ferien aka Urlaubsreisen. Als in einer Fernbeziehung Lebende gehören bei mir auch meine allmonatlichen langen Wochenenden beim Liebsten zu den Ausnahmen. Wenn sich Situationen, die als Ausnahmen beginnen, sich wiederholen, weil ich zum Beispiel einige Male hintereinander zu Untersuchungen in diese bestimmte Klinik muss, 36 00:12:27,000 --> 00:12:27,000 oder weil es vor jedem. 37 00:12:28,500 --> 00:12:58,500 langen Wochenende und jede Ferienreise ähnliche Prozesse zu durchlaufen gilt, werden sie gar zu einer Art Ausnahmeroutinen und verlieren nach und nach ihre bedrohliche Vorausmacht. Das ist übrigens auch ein Grund, warum wir Routinen brauchen. Da geht es auch um diese Macht des Unvorhersehbaren, das durch Routinen quasi möglichst klein gehalten wird. Und das bedeutet natürlich auch nicht, dass ich mich trotzdem 38 00:12:58,500 --> 00:13:28,500 jedes Mal furchtbar nervös bin. Die wirklich schlimmen Ausnahmesituationen sind für mich in der Regel aber nicht die, auf die ich mich auf die eine oder andere Art vorbereiten kann, sondern die unerwarteten. Wenn eine Begegnung schwieriger ist oder länger dauert, als ich es erwartet habe, wenn innerhalb einer Routine plötzlich etwas Unvorhergesehenes passiert, oder auch wenn jemand an meiner Tür klingelt, ohne dass ich mich darauf vorbereitet habe, 39 00:13:28,500 --> 00:13:29,500 und mich diese Person. 40 00:13:30,000 --> 00:13:30,000 so lieb sie mir auch sein mag, aus meinem Ablauf und meiner Routine herausreißt. Wenn beim Einkaufen jene Dinge, die ich unbedingt brauche, nicht erhältlich sind, wenn der Zug, mit dem der Liebte kommt, sich nicht nur fünf, sondern hundertzwanzig Minuten verspätet, oder Autopannen, Verluste etc. etc. Bei mir gibt es zwei typische Reaktionen auf Ausnahmesituationen. Die total gestresste, latente, 41 00:14:00,000 --> 00:14:30,000 panische, die mir alles abverlangt, und jene, in der ich in einen Rundum-Fatalismus-Zustand falle. Neulich hatte ich Glück, als genau das passierte. Ich war an die deutsche Grenze gefahren, wo ich mein Lieblingsmenschen abholen wollte. Damit verband ich, wie oft, einen Großeinkauf im nahen, günstigeren Ausland. Schon als ich im Supermarkt war, sah ich in der Bahnapp die Angezeigte verspäten. Eine halbe Stunde hieß es da noch. 42 00:14:30,000 --> 00:14:30,000 Was tun? 43 00:14:31,500 --> 00:15:01,500 Ein Teil von mir verfiel in den OhMyGosh-Stress-Modus, ich wurde hibbelig und das Herz raste los, warum auch immer, manchmal aber übernimmt ein anderer Teil in mir das Ruder, was diesmal der Fall war. Diesen anderen Teil nenne ich zuweilen meine innere Fatalistin. Sie flüsterte, hey, guck, jetzt kannst du beim Einkaufen sogar bummeln. Inmitten des Gewusels beschloss also die Fatalistin in mir, sich zu entspannen und aus der Situation das beste zu machen. 44 00:15:01,500 --> 00:15:01,500 Halbe Stunde, ja, das bekommen wir hin. Atmen nicht vergessen, wir schaffen das. Nein, keine Durchhalteparolen, kein Reiß-dich-Zusammen-Gedöns. Einfach nur: Wir schaffen das! 45 00:15:18,000 --> 00:15:48,000 Manchmal nenne ich das auch den Mir-doch-egal-Modus. Leider habe ich noch nicht genau herausgefunden, wie ich diesen Modus aktivieren kann. Wenn er läuft, fühle ich mich gut. Dann bin ich auf einmal eine ganz normale Person, die sich in die Umstände fügt und sich nicht darüber aufregt. Dann kann ich einfach tun, was andere auch tun, die keinen Stress mit Ausnahmesituationen haben. Ich agiere, ich entscheide, ich reagiere. Und ich bin dann irgendwie eine, die sich nicht darüber aufregt. 46 00:15:48,000 --> 00:15:48,000 Ich bin dann eine Person, die sich gerade jetzt erfindet, die nicht weiß oder vergessen hat, dass sie normalerweise totalen Stress mit Unvorhergesehenem hat. Als ich mit den Einkäufen im Kofferraum am Bahnhof eingetroffen war, sagte die Bahnapp, dass der Zug mit dem Liebsten drin inzwischen mehr als eine Stunde Verspätung haben würde. Ich hatte eigentlich vorgehabt, im Auto zu warten, Hörbuch zu hören, ein bisschen zu chatten, doch jetzt musste ich erst ein paar sehr existenzielle Probleme lösen. 47 00:16:18,000 --> 00:16:19,000 Etwas zu. 48 00:16:19,500 --> 00:16:49,500 trinken, etwas zu essen und ein WC finden. Nachdem ich das Bahnhofsklo von außen betrachtet hatte, beschloss ich, via Bahnhofscafé-Wasser- und Croissant-Kauf im nahen Einkaufszentrum (das ich normalerweise gemieden hätte) meine WC-Suche fortzusetzen. Was auch klappte. In einem sehr ruhigen Schreibwarenladen verbrachte ich die restliche Wartezeit. Neben Baumärkten sind das, auch wegen der Gerüche, meine Lieblingsläden … Der 49 00:16:49,500 --> 00:17:19,500 Zug hatte schlussendlich fast zwei Stunden Verspätung, doch ich war nach dem Warten nicht kaputt. Dieser Modus passiert mir, wie gesagt, ohne mein Zutun. Er ist fragil, und ich kann ihn auch nur dann aufrechterhalten, weil und wenn ein Teil in mir sich bewusst ist, dass es ein temporärer, ein befristeter Zustand ist. Er ist nicht unanstrengend, aber weniger anstrengend als der Stressmodus. Und er ist, wie gesagt, nur befristet. 50 00:17:19,500 --> 00:17:20,500 Er ist nicht aktivierbar. 51 00:17:21,000 --> 00:17:51,000 Wie so eine Art Joker-Modus. Wenn ich in ihm drin bin, erkläre ich mir auf einer halb bewussten, halb unbewussten Ebene diesen Zustand als aktuellen Normalzustand. Insbesondere dann, wenn es keine andere Lösung gibt. Die Alternative wäre ein Meltdown, doch solche Reaktionen habe ich mir sehr früh sehr hart abtrainiert. Vor einem Jahr, als ich die Zusage für die neue Wohnung bekommen 52 00:17:51,000 --> 00:17:51,000 hatte in einem Ausnahmezustand. Egal ob beim Packen, beim Umzug, beim Einrichten und in der anschließenden Krankheitsphase. Manchmal war es mehr der stressige, latent panische Modus, dann wieder wechselte ich in den fatalistischen. Anstrengend waren beide, und ich ward so froh, als ich endlich, allmählich wieder in alte und neue Routinen hineinwachsen konnte. Nach dem Umzug und nach 6 Wochen Rückenschmerzen verreisten wir 10 Tage. 53 00:18:21,000 --> 00:18:22,000 Auch das war ein. 54 00:18:22,500 --> 00:18:52,500 Ausnahmezustand, wie gesagt, wenn auch einer der positiven. Erst danach fand ich wieder in eine Art Alltagsroutine zurück. Wie wohltuend das war. Meistens sind meine Ausnahmezustände mit großem Stress verbunden. Und ich bin dann in einem extrem anstrengenden, sehr wachen, sehr angespannten Modus, den ich nur mit sehr fest zusammengebissenen Zähnen überstehe und aus dem ich oft am liebsten wegrennen würde. Kleine Fluchten in die Toiletten inklusive oder wo immer es geht. 55 00:18:52,500 --> 00:19:22,500 Diese Momente des Rückzugs brauche ich dringend, um mich zu sortieren, um mir kleine Strategien oder auch Dialoge zu überlegen, die den Zustand erträglicher machen oder auch abkürzen können. Beide Modi von Ausnahmephasen sind übrigens nicht abgeschlossen, wenn ich wieder in meine Routinen zurückgekehrt bin. Dann kommt oft erst der richtige Stress. Je nach Länge des Ausnahmezustands kann ich mich nicht mehr in eine Routine zurückkehren. 56 00:19:22,500 --> 00:19:23,500 Es kann länger oder kürzer sein. 57 00:19:24,000 --> 00:19:54,000 Aber wenn ich wieder allein und in Ruhe bin, kommt oft die ganze große Erschöpfung mit einer solchen Wucht, dass nur noch der totale Rückzug hilft. Die totale Überreizung kann ich persönlich am besten im Liegen verarbeiten, in der Hängematte, dem Liegestuhl oder auf dem Sofa. Hörbuch auf die Ohren. Mich quasi in eine andere, in eine fiktive Umgebung zurückziehen, im Kopf reißen, während der Körper zur Ruhe kommt. Ja, Ausnahmezustände, 58 00:19:54,000 --> 00:19:54,000 sind immer Stressoren. Und damit schließt sich ja auch wieder der Kreis zur letzten Folge. Das nächste Mal sprechen wir gemeinsam darüber, wie wir Menschen im Spektrum unsere Freizeit verbringen, unsere Urlaube, Ferienreisen, Wochenenden, wie wir diese von neurotypischen, positiv gelesenen Zeiten organisieren, ob wir sie mögen oder nicht, und was uns wirklich hilft, uns zu erholen. Ich bin echt gespannt auf eure Beiträge. Soviel für heute. 59 00:20:24,000 --> 00:20:25,000 Fortsetzung folgt. 60 00:20:25,500 --> 00:20:38,500 Falls ihr konkrete Fragen und Themenwünsche habt, schreibt mir gern, ich bin offen für Anregungen und Rückmeldungen aller Art, jetzt aber danke ich euch herzlich fürs Zuhören, ciao und bis zum nächsten Mal!