#1 Ich stelle mich und mein Pseudonym vor
S01:E01

#1 Ich stelle mich und mein Pseudonym vor

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In dieser Folge stelle ich mich und mein Pseudonym vor und erzähle euch, warum ich mit Podcasten angefangen habe.

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Hallo zusammen. Inspiriert von Menschen, die vor mir den Mut gefunden haben, im Podcast über so sein zu reden, starte ich heute meinen eigenen Podcast. Nennen wir das hier Auftakt, Intro, Pilotfolge oder wie auch immer.

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Einen Namen habe ich noch keinen und wo es hinführen soll, weiß ich auch nicht. Aber nachdem ich gelesen und gehört habe, wie wunderwirksam es ist, ganz ohne Plan und ohne Antwort und ohne Gegenüber, weder therapeutischem noch freundschaftlichem, über sich selbst zu sprechen.

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Naja, eigentlich ist die Idee in mir ja gar nicht neu.

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Vor einigen Jahren hat eine Freundin, die eine Weile gepodcastet hat, mir ihr überflüssiges Podcast-Mikrofon geschenkt, da ich damals bereits mit der Idee geliebäugelt hatte.

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Damals hörte ich selbst noch kaum Podcasts, Podcast, zumal mir als neurodivergente Person die Jingles und das Blabla in den punktuell gehörten Podcasts gehörig auf die Nerven ging.

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Es war eigentlich weniger ein Auf-die-Nerven-Gehen als ein Reiben an den Nerven, ein Überfluten meiner Reize, eine Kakophonie, auf die ich gern verzichtet hätte. Ich mochte, wenn die Sprecherinnen und Sprecher auf den Punkt kamen, zum Thema, zum eigentlichen Inhalt.

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Heute weiß ich, dass es typisch autistisch ist, so zu hören, so wahrzunehmen. Autypisch, sozusagen. Autypisch. Dieses Wort ist mir neulich zugefallen und ich nutze es seither sehr gern.

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Jana Luna ist ein Pseudonym, das mich punktuell immer mal wieder begleitet hat. Jana ist meine weibliche Form von Janus. Jana ist die, die sowohl zurück als auch voranschaut, vorausschaut, vorwärts schaut, die sich, in meiner ganz persönlichen Interpretation, schwer tut, im Jetzt zu sein.

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Also, quasi, ich, die mich schwer tut, im Jetzt zu sein. Und Luna, der Mond, das deutet darauf hin, dass ich den Gezeiten der Lebensfolge, etwas weiter gefasst, all den Einflüssen, denen ich mich nicht entziehen kann, quasi ausgeliefert bin.

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Und zwar einfach dadurch, dass ich lebe.

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Janaluna also, sie lebt schon seit fast 6 Jahrzehnten auf dieser Erde und ist geboren in einer Zeit, in welcher Neurodivergenz noch kein Thema war, in welcher auch Handys und PCs bestenfalls in Träumen oder Zukunftsschulaufsätzen vorkamen und in der Freundschaften noch analog geschlossen und gebrochen wurden und es sogar für Mobbing noch keinen Namen gab.

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Die kleine Janaluna also hat dank eines fast tödlichen Unfalls früh gelernt aufzupassen und sich an die Umstände anzupassen. Ist sie herangewachsen? Dank eines Halbgeschwisters, eines großen Bruders, nicht ganz ohne Unterstützung, denn die Eltern waren, wie sie, also wie ich, heute weiß, maßlos überfordert, mit all den Kindern, Alimentezahlungen, Hausbau, Kreditzahlungen usw.

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Schnitt.

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Im Rückblick, nachdem ich in jahrelanger Therapie die Traumafolgen einer sehr prägenden Erfahrung endlich als erträglich verarbeitet hatte, stellte meine Therapeutin-Ärztin mir erneut, wie schon am Anfang unserer gemeinten Arbeit, die Frage, ob ich denn jetzt bereit wäre für eine ADHS-Abklärung.

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Sie selbst sei zwar nicht kompetent genug, doch sie könne mich an eine andere Ärztin überweisen, die sich damit auskenne. Ein Jahr später bekam ich die Diagnose ADHS, die auf einmal auf ganz viele Fragen, die ich mir im Laufe meines Lebens gestellt hatte, antworten konnte.

4:16

Während der Diagnostik, als wir die ganzen vielen Fragebögen ausgewertet hatten, meinte meine neue Therapeutin-Ärztin, dass manche Antworten nicht eindeutig auf ADHS, eher auf Autismus hinwiesen.

4:29

Ich begann mich meinem ADHS zu stellen. Dank medikamentöser Therapie und Coaching lernte ich, dass ich nicht mehr wie bisher meinen Impulsen ausgeliefert leben muss, sondern selbst zu steuern, wie ich mit meiner Zeit und mit meinen Stressfaktoren umgehen will.

4:47

Spannenderweise kamen meine, wie ich heute sage, autistischen Symptome mit Beginn dieser Therapie stärker zum Vorschein. Vorher hatten sie sich geschickt unter den ADHS-Symptomen versteckt,

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dass es sich tatsächlich um ins Autismus-Spektrum gehörende Anteile meines Sohlseins handeln könnte, wie es sich am Anfang noch zurück. Zwar hatte ich schon davon gehört und in den sozialen Medien gelesen, dass Autismus eben nicht nur dieses supertypische Männchen-Spezialding ist, sondern ein ganzes Spektrum.

5:24

Aber ich selbst? Ich bin doch gar kein Nerd. Hm, warte, oder etwa doch irgendwie? Bei einem Spaziergang mit einer lieben Freundin, die soeben, wie sie mir erzählte, in der Autismusdiagnostik war, begriff ich, wie viele Vorurteile ich gegenüber Autismus gehabt hatte.

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Diese Freundin, die ich seit über 20 Jahren kannte und kenne, war keineswegs so ein empathieloser Roboter, auf welchen in Filmen und Büchern autistische Menschen reduziert werden.

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Im Gegenteil, sie war hoch empathisch und an vielem interessiert. Da ich auch um ihr ADHS wusste, begriff ich, aha, das gibt's also auch im Doppelpack. Dank ihr überwand ich meine Skepsis und ließ mich zur Autismusabklärung anmelden.

6:17

Das Wartejahr war fast vorbei, als ich endlich einen Termin bekam. Noch läuft diese Abklärung und ja, natürlich bin ich gespannt.

6:27

Andererseits, Dr. Devin Price ermutigt in seinem Buch, Unmasking Autismus, dazu, sich nicht auf die Diagnose von SpezialistInnen zu versteifen. Die wahren Fachpersonen für uns selbst sind letztlich wir selbst.

6:43

Wir kennen den Leidensdruck am besten. Wir kennen unser Leben wie sonst niemand.

6:49

In den nächsten Folgen möchte ich auf solche Druckstellen eingehen. Mein besonderes Anliegen ist es zu demaskieren und all das, was uns behindert und bedrückt ins Spektrum der Normalität zu transportieren.

7:05

Die Scham darüber, so zu sein, also anders als die Mehrheit, abzulegen und dieses So-Sein freundlich zu akzeptieren.

7:16

Ich danke Euch herzlich fürs Zuhören und freue mich schon aufs nächste Mal. Herzlich Eure Janaluna