#16 Ein kleiner Nachtrag über das Fühlen und eine persönliche Auslegeordnung über das Sammeln, Ordnen und Listenführen
S01:E16

#16 Ein kleiner Nachtrag über das Fühlen und eine persönliche Auslegeordnung über das Sammeln, Ordnen und Listenführen

Episode description

Dieses Mal spreche ich über mein lebenslanges Sammel- und Ordnungsbedürfnis und darüber, was es mit diesem autismustypischen Ordnen und Sortieren auf sich hat. Gern möchte ich euch in der nächsten Folge Raum geben, euch und eure Sammel- und Ordnugnsbedürfnisse vorzustellen. Erzählt bitte von euren Sammlungen, euren Listen und euren Lieblingsapps. Und natürlich davon, was die Sammlung, Liste oder Ordnung für euch und eure Neurodivergenz bedeutet.

Erzählt gern von euren Erfahrungen, damit ich diese in die nächste Folge integrieren kann. Stellt euch in eurem Beitrag bitte kurz vor und erzählt, was ihr sammelt und wie ihr eure Welt ordnet.

Eure Tonaufnahme soll maximal ca. 3 Minuten dauern und in einer möglichst ruhigen Umgebung aufgenommen werden. Wenn ihr lieber einen Text schreibt, den ich an eurer Stelle einlesen werde, sollte dieser ca. 3000 (mit Leerzeichen) nicht überschreiten.

Schickt mir eure Beiträge bitte bis am 21. Juli, abends. Schreibt bitte gern an janaluna (ät) unbox (punkt) at Im Voraus danke ich euch bereits herzlich.

Die erwähnten Organisationstools:
Die App mit den vielen Listen heißt Zenkit:
https://zenkit.com/de/
Meine Einkaufsapp heißt Lenas Einkaufsliste:
https://lenas-einkaufsliste.de/
Meine Büchertracking-App hei0t Book Track:
https://apps.apple.com/ch/app/book-track-b%C3%BCcherregal-liste/id1491660771
Im Haushalt unterstützt mich die Haushalt-App Tody:
https://todyapp.com/

Für Fragen und Themenwünsche, für Anregungen und Rückmeldungen aller Art schreibt mir bitte gern an janaluna (ät) unbox (punkt) at. Eine weitere Kontakt- und Kommentarmöglichkeit gibt es über die Webseite https://lebenswertvoll.ch/ unter der jeweiligen Podcastfolge.

Alle Scripts gibt es entweder als Transkripte in euren Lieblingspodcast-Programmen und -Apps zum Lesen und Mitlesen während des Hörens oder als PDF unter:
https://lebenswertvoll.ch/scripts/

Download transcript (.srt)
0:02

Hallo zusammen und herzlich willkommen zu meinem 16. Podcast. Zuerst ein kleiner Nachtrag zur letzten Folge, in der es um das Fühlen gegangen ist. Inzwischen habe ich etwas für mich sehr Wesentliches begriffen, das für die eine oder den anderen von euch auch eine gewisse Relevanz haben könnte.

0:24

Ich erwähnte das letzte Mal, dass ich zwar sehr gut fühlen und mitfühlen kann, mir aber schlecht vorstellen, was genau mein Gegenüber wirklich braucht oder vorhat. Inzwischen ist mir aufgefallen, dass es bei mir noch einen anderen Unterschied zwischen autistischem und nichtautistischem Fühlen gibt.

0:46

Das ist mir bewusst geworden, als ich mit meinem geistig behinderten autistischen Bruder über den kürzlichen Tod eines lieben Verwandten Ich sah uns zu, wie wir beide mit neuen, schwierigen Informationen umgehen.

1:03

Mein Bruder reagierte auf der informativen Ebene und verbal sehr interessiert und betroffen auf den Todesfall. Auch körperlich reagierte er nach einer Weile stark, mit Unruhe, übermässigem Schwitzen und Durst.

1:19

aber er weinte zum Beispiel nicht. Hirn und Körper reagierten schneller als das Herz. Fast exakt gleich hatte ich Tage vorher auf die Todsnachricht reagiert. Die Tränen waren zeitlich verzögert gekommen.

1:35

Der Teil, wo das Gefühlefühlen bei normtypischen Menschen emotional sichtbar passiert, ist bei mir, bei uns schwerer erreichbar.

1:48

Dafür bei uns keine breite Brücke mitten über dem See. Für uns gibt es diese kleine Furt am Seeende. Um sie zu erreichen, müssten wir einen Umweg gehen. Von außen erweckt das womöglich den Eindruck, dass wir weniger fühlen oder dass wir weniger tief mitfühlen.

2:08

Wie ich letztes Mal schon sagte, ist das eine Fehleinschätzung. Wir fühlen nicht weniger, wir fühlen anders. Zuerst fühlen Hirn und Körper und verarbeiten die eingetroffenen Wahrnehmungen.

2:23

Oft reagiert mein Körper wie ein Seismograf, noch bevor das Hirn versteht, was abgeht. Herzrasen, Unruhe, Kopf- oder Bauchweh. Da mein Körper in der Regel schneller als das Herz reagiert, weiss ich oft gar nicht, was mit mir los ist.

2:38

Erst bei bewusstem, genauerem Hinsehen und Nachdenken, meinem Umweg über die Furt am Ende des Sees, empfinde ich dann das ganze Ausmaß des Gefühlten. Erst wenn die körperlichen und gedachten Eindrücke entschlüsselt sind, fühlt auch das Herz verzögert und dann kommen auch die Tränen.

2:59

Als müsste ich erst einige Puzzleteile zusammenlegen, werden räumtypische Menschen, jedenfalls in meiner Vorstellung, alle drei Bereiche, Körper, Hirn und Herz, automatisch als Ganzes wahrnehmen und fühlen.

3:15

Ich vermute, dass dieser Prozess bei mir eine Art Überlaufschutzmechanismus sein könnte. Weil ich ständig mit sehr vielen Reizen konfrontiert bin, auf die ich irgendwie reagieren muss, hat vielleicht das Hirn diese Auffächerung der Wahrnehmung initiiert.

3:33

Oder es ist womöglich genau umgekehrt. Was war zuerst? Nun denn, ich jedenfalls fühle dieses Aufgesplittert-Sein zuweilen als Lücke. Vielleicht ist das für Normtypische, die hier zuhören, ähnlich schwierig nachvollziehbar, wie es für mich das Fühlen normtypischer Menschen ist.

3:53

Doch wenn wir solche Dinge voneinander wissen, können wir besser miteinander umgehen, denke ich. Heute will ich jedoch über ein anderes Thema ausführlicher sprechen.

4:05

Die von euch, die eine Autismusdiagnostik durchlaufen und oder den ein oder anderen Selbsttest zum Thema gemacht haben, kennen vielleicht diese Fragen danach, ob eins Briefmarkensammelt von Eisenbahnen fasziniert ist oder das Kind die Spielsachen in Reihe und Glied geordnet hat.

4:26

Bei meinem ersten Selbsttest, den ich vor zwei oder noch mehr Jahren im Internet gefunden habe, kreuzte ich nach einer Briefmarkensammlung gefragt noch nein an. Denn nein, weder Briefmarken noch Eisenbahnen haben je einen speziellen Zug auf mich ausgeübt.

4:46

Dass solche Fragen nur eine Art Vorlage für andere Sammlungen, Faszinationen und Ordnungen darstellen, musste mir erst jemand von außen sagen, von allein bin ich da mit meinem wortwörtlichen Verständnis der Dinge nicht drauf gekommen.

5:02

Aber eigentlich sollte so etwas ganz besonders in einem Autismus-Test unbedingt eingangs erwähnt werden.

5:10

Statt Briefmarken sind es bei mir Geschichten, sind es Bücher, sind es Fortsetzungen, sind es, überspitzt gesagt, die Lebenserfahrungen fiktiver Menschen, die ich horte.

5:23

Ich sammle sie nicht physisch, ich sammle jedoch das Gelesen, Gehört oder Gesehenhaben meiner Geschichten. Eigentlich sammle ich also Häkchen, denn ich führe Listen über die von mir gelesenen Bücher und zusätzlich dazu noch Abhauchlisten meiner tausend Lieblingsbuchserien.

5:42

Und natürlich recherchiere ich auch immer Hintergrundinfos zu den einzelnen Serien. Manchmal die Biografien der Autorinnen und oder Schauspielerinnen, manchmal die Entstehungsgeschichte einer Serie.

5:56

Kurzum, ich liebe Serien.

6:00

Serien sind sowohl immer wieder neu und zugleich vorhersehbar. Jedes Buch oder jede Folge erzählt zwar eine neue Geschichte, doch sie ereignet sich in einem bekannten, vorhersehbaren Setting, das sich langsam und nachvollziehbar weiterentwickelt.

6:19

Darum egal, ob Bücher, Hörbücher oder Filme. Hauptsache Serien. Am liebsten Krimis. Viele Jahre habe ich fast ausschließlich Krimis gelesen und geschaut, da diese fast immer mit der Bestrafung der Bösen endeten.

6:35

Vorhersehbar und gerecht. Doch inzwischen gucke ich auch sehr gern Krankenhausserien und andere Dramaserien. Am liebsten jene mit gutem Ende. Vielleicht sammle ich also auch Happy Ends?

6:48

Da muss ich jetzt einmal darüber nachdenken. Und ja, ich weiß natürlich, dass das, was in diesen Serien gezeigt wird, kein Abbild der wirklichen Welt ist. Meine Serienvorliebe fing übrigens schon als Kind an.

7:03

Wenn ich eine meiner Lieblingsserien verpasst hatte oder eines der Bücher aus einer Serie nicht erhältlich war, empfand ich das immer wie eine Wunde, die eine Art Ungleichgewicht in mir erzeugt hatte und eine große Unruhe.

7:16

Zum Glück ist heute, dank Streaming und Online-Ausleihe, ein Nachholen des Verpassten meistens kein Problem mehr. Dazu übrigens eine kleine Bemerkung, Klammer auf, ja, ich weiß, dass viele Menschen Serien lieben, auch neurotypische Menschen.

7:35

Sind letztlich nicht die meisten Menschen irgendwie seriensüchtig und sind Serien nicht genau darum so erfolgreich? Ja, klar. Aber führen wirklich alle über die gelesenen, gehörten oder geguckten Serien Buch und recherchieren wirklich alle Serienkontext?

7:55

Klammer zu!

7:57

Auf meinem Rechner sind aber nicht nur Listen für Bücher und Buchserien, nein, das sind noch viel mehr Listen. Eine dokumentiert zum Beispiel alle Ferienreisen, die der Liebste und ich je gemacht haben.

8:09

Und in einem anderen liegen alle Diaschauen, die ich von unseren Ferienreisen und gemeinsamen Jahren erstellt habe. Dann sind da auch meine nach Monat gelisteten Fotoordner und auch die Tagebücher sind fein säubrig datiert und gelistet.

8:26

Ebenso Finanzordner, Kontoauszüge, Krankenkassenabrechnungen und auch sonst so ziemlich alles. Und natürlich gibt es, wie in jedem Haushalt, auch einige Schubladen respektive Ordner für das Chaos, für die ADHSlerinnen mehr.

8:44

In diesen Ordnern findet sich alles, das sonst nirgends reinpasst. Ich sammle nicht nur digital. Neben meiner lebenslangen Steinsammlung, die schon sehr oft mit mir umgezogen ist, habe ich bis vor einem Jahr auch eine stetig wachsende Flaschensammlung gehortet.

9:02

Jede irgendwie vom Standard abweichende Glasflasche, gern auch von einer Ferienreise, wurde meiner wachsenden Sammlung hinzubefügt. Richtig tolle Sachen waren da dabei.

9:14

Doch da die Sammlung immer mehr Raum beanspruchte und ich beim letzten Umzug radikal ausgemistet habe, brachte ich die Flaschen in die Glassammlung. Einfach war das nicht, aber genau richtig.

9:28

Ich liebe es, meine Sammlungen zu ordnen, eine Übersicht zu erstellen, einen Weg zu finden, mir meine kleine Welt ordentlich und überschaubar zu machen.

9:39

Schon als Kind habe ich es geliebt, meine Malstifte nach Farbverläufen einzuräumen, egal ob im Schulatelier oder in der breiten Metalldose. Sie mussten immer genau richtig geordnet sein, richtig nach meiner Ordnung und gespitzt natürlich.

9:57

Manchmal räumte ich sie aus und dann wieder ein, nur weil ich das so gern machte. Es war fast wie puzzeln. Ordnen fühlt sich so beruhigend an, nicht nur fürs Hirn, auch für die Augen und für die Hände.

10:11

Und eigentlich ist es auch eine Art Stimming, wenn ich es mir so überlege.

10:16

Ordnungen sind, auch wenn das von außen vielleicht gar nicht so aussieht, bei mir allgegenwärtig. Ich ordne Dinge nicht nur in physischer oder digitaler Form, ich ordne auch optisch, also inwendig, nach außen unsichtbar.

10:33

Sehe ich zum Beispiel Holzmaserungen oder Stoffmuster, beginne ich damit, mir Linien, Ordnungen und Verbindungen vorzustellen und Abgrenzungen. Ich erkenne Anfänge, von wo bis wo verläuft ein Muster und ab wo beginnt es sich zu wiederholen.

10:50

Ich sehe Figuren und Ordnungen in Zahlenreihen, ebenso wie bei bunten Flächen, Schattenwürfen, an Hausfassaden oder Zäunen. Eigentlich gehe ich als Musterdetektorin durch die Welt.

11:03

Ordnung zu schaffen und zu erkennen beruhigt mich, insbesondere wenn ich in unbekannten Räumen bin oder von Reizen überflutet werde. Wenn ich damit beginne, einen Raum gedanklich zu ordnen, ist das eine Art visuelles Dimming, das mich entspannt und das Druck aus einer angespannten Situation herausnimmt.

11:25

Manchmal sammle, respektive zähle ich auch Farben. Zähle alles auf, was grün ist, sammle gedanklich alles, was blau ist. Eine gute Methode, um mich zu beruhigen, wenn ich angespannt bin.

11:39

Ordnen, sammeln und zählen sind überhaupt gute Entspannungsmethoden. In einer nicht kontrollierbaren Welt helfe ich mir so, meine eigene kleine Welt überschaubar zu machen.

11:52

Dazu habe ich übrigens auch einige Apps und Programme, die mich zum Beispiel beim Hacken sammeln bestens unterstützen.

12:01

Mein Lieblings-Organisationstool ist ZendKit in der kostenlosen Version. Und nein, ich bekomme keine Provision für diesen und für die folgenden kleinen Werbespots. Ich mag es, dass es ZendKit für Linux und iPhone gibt, so kann ich meine Listen zwischen Rechner und Handy synchronisieren.

12:24

Apropos, auch Synchronisierung ist etwas, das ich als Konzept extrem genial finde. Am liebsten würde ich sogar meine Gedanken mit einem leeren Dokument oder einer Gedankenlese-App synchronisieren können.

12:39

Das wäre cool.

12:41

Meine erste Liste auf ZenKit war der Wochenplan. So bin ich damals überhaupt Jahrtausend gekommen, denn ich habe mich mehr und mehr über meine Zettelwirtschaft und meine To-Do-Listen genervt.

12:54

Das Führen einer Wochenplanung gehörte zu meinem ADHS-Coaching und war aus der Notwendigkeit heraus entstanden, mich besser zu organisieren.

13:05

Dank der mit der medikamentösen Therapie einhergehenden, besseren Filterung griffen nämlich meine alten Merk- und Lebensstrategien nicht mehr. Ich hatte meinen Aderblick und damit die Übersicht verloren, sah nicht mehr alles und vergass ständig Dinge.

13:23

Kurz, ich brauchte dringend eine neue Ordnung. Immer am Wochenanfang verteile ich seither alles, was zu tun ist, auf die einzelnen Tage. Schaffe ich etwas nicht, lässt es sich auf Zen-Kit einfach verschieben.

13:38

Kommt etwas Neues dazu, füge ich es nachträglich ein. So habe ich inzwischen auch nur noch selten am Abend das Gefühl von früher, dass ich wieder nichts geschafft habe, weil das, was ich eigentlich hatte machen wollen, wegen jener Dinge, die ich schließlich getan habe, nicht erledigt bekommen habe.

13:57

Nein, ich plädiere nicht für Selbstoptimierung um jeden Preis und schon gar nicht für Leistung als Wertmarschstab, im Gegenteil, dennoch liebe ich das angenehme Gefühl, wenn ich am Abend etwas abhaken kann, weil ich etwas geschafft und geschaffen habe, das ich mir zu tun vorgenommen hatte.

14:18

Mein Organisationsprogramm hilft mir dabei, das, was mir wichtig ist, nicht aus den Augen zu verlieren, dran zu bleiben, meine persönlichen Ziele zu erreichen. Das beruhigt mich sehr.

14:31

Mein Tool war mir auch beim Umzug vor einem Jahr eine große Hilfe. Ich habe sämtliche gepackte Kisten aufgelistet und sie den neuen Räumen zugeteilt. Unter jeder Kistennummer stand außerdem ungefähr das, was in der Kiste steckte.

14:47

Ja, aufwendig war das und leider war ich dabei nicht immer sehr genau, was dann doch immer wieder viel Sucharbeit in der neuen Wohnung bedeutet hatte. Aber dennoch war das Ganze sehr hilfreich und auch wenn nur deshalb, weil mich das Listenschreiben vor dem Durchdrehen im Umzugschaos bewahrte.

15:07

Weitere Listen auf ZenKit führe ich über den Inhalt meines Vorratsschranks und über den des Tiefkühlschranks, der drei Schubladen hat. Wenn ich weiß, was wo ist, muss ich weniger langen kalten Schrank suchen.

15:21

Auch führe ich Packlisten. Eine für die langen Wochenenden beim Liebsten, eine für unsere Zeltferienreisen und eine für unsere Ferien in Ferienwohnungen. Alles, was Stress reduziert und bessere Vorhersehbarkeit ermöglicht, ist mir herzlich willkommen.

15:39

So liebe ich etwa meine Wetter-App auch deshalb, weil ich mich darüber mit meinen Lieblingsmenschen gedanklich verbinden kann, während ich mir ihr Tageswetter anschaue.

15:51

Ach Sian, in Hamburg sind heute 22 Grad.

15:56

Dass ich auch eine Einkaufslisten-App nutze, habe ich in einer früheren Folge schon erwähnt. Sie trägt sehr zur Stressreduktion beim Einkaufen bei. Wie bereits gesagt, sammle ich schon, seit ich ein Kind war, Geschichten.

16:11

Neben der erwähnten Tabellenliste mit den gelesenen Büchern und den Abhacklisten der Buchserien, fütter ich auch eine Büchertracking-App, dank welcher ich meine täglichen Lese- und Hörbuch- Eine weitere Sammlung?

16:30

Oder ist es ein Ordnungsprozess? Oder alles aufs Mal?

16:35

Wie auch immer, ich denke, dass bei mir Sammeln gleichzeitig auch eine Art Spezialinteresse ist. Besonders bei meiner Leidenschaft für Bücher. Denn Bücher sind tatsächlich mein roter Faden.

16:47

Da gehören auch meine eigenen Hefte, Skizzenkritzel und Tagebücher dazu. Ich dokumentiere fast alles Mögliche. Halte fest, schreibe auf. Früher von Hand, seit ungefähr 1999, seit mein erster PC in meinem Leben Einzug gehalten hat, auch digital.

17:07

Digitales Schreiben ermöglicht mir, dass ich das, was ich geschrieben habe, später sogar noch lesen kann. Auch nicht schlecht. Tagebuch zu schreiben begann ich etwa als Zwölfjährige, in einer Zeit ohne Handys und PCs.

17:23

Doch schon davor habe ich Bücher hergestellt, sogar schon vor dem Schuleintritt. Mit Papier, Tacker oder Nähnadel habe ich mir kleine Hefte gemacht, in die ich Geschichten zeichnete und später schrieb.

17:38

Ein paar davon habe ich neulich, als ich für die Autismusdiagnostik Kindheitserinnerungen zusammentragen sollte, gefunden. Sehr detailgetreu habe ich darin ausgedachtes und beobachtetes abgebildet.

17:52

Aus heutiger Sicht erkenne ich darin viel Nachdenken über Funktion und Zusammenhang, verstehen wollen und mir die Welt erklärversuche. Ich verarbeitete mit meinen Zeichnungen die Welt, die ich nicht verstand, und ich erinnere mich daran, wie ich darüber nachdachte, warum jemand etwas tut und wie.

18:14

Meine Außenwelt war sehr klein. Wir bewegten uns in den 70ern, in denen ich aufwuchs, fast ausschließlich im Dorf, in der nahen Kleinstadt und selten mal woanders. Geld für Ferien gab es nicht.

18:28

Also war das der Fernseher, der mir die Welt erklärte. Und natürlich waren es die Bücher im Bücherregal, das es nur deshalb gab, weil meine Eltern, die beide kaum Bücher lasen, aus unerfindlichen Gründen eine Buchklubmitgliedschaft eingegangen waren.

18:43

All diese Bücher, auch die aus der kleinen Schulbibliothek, erschlossen mir die Welt. Und natürlich die beiden Lexika, die ich damals für alles befragte, was ich nicht verstand.

18:54

Eigentlich kein Wunder, dass ich später als Zweitberuf Buchhändlerin lernte und heute in einer Bibliothek arbeite. Bücher, Bücherordnung, Übersicht. Willkommen in meiner Welt.

19:08

Auch in meiner Podcast-App versuche ich eine Art Liste, sprich Übersicht zu führen, damit ich die mir lebten Podcasts nicht verpasse. Zu guter Letzt sei meine Haushalt-App Todi erwähnt.

19:21

Sie erinnert mich an wiederkehrende Arbeiten. Nur schade, dass sie nicht auch die Arbeiten an sich übernimmt, denn lieber als zu putzen, bearbeite ich Listen, ordne ich Dinge und sammle ich Häkchen.

19:34

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass ich meine Welt sammle und ordne, um sie mir so übersichtlich und so voraussehbar wie möglich zu machen. Ich reduziere so Reiz und Stress, denn selbst mit viel Ordnung und Struktur ist die Welt doch noch immer voller Unvorhersehbarem.

19:53

Und jetzt ihr, was sammelt ihr? Ich möchte die nächste Folge wieder mit euch gemeinsam kreieren, wenn ihr mitmachen mögt. Erzählt bitte von euren Sammlungen, euren Listen und euren Lieblings-Apps und natürlich davon, was die Sammlung, Liste oder Ordnung für euch und eure Neurodivergenz bedeutet.

20:13

Schickt mir eure Text- oder Tonaufnahmen, stellt euch bitte am Anfang kurz vor und erzählt dann, was ihr sammelt und wie ihr eure Welt ordnet. Eure Tonaufnahme soll maximal drei Minuten dauern und in einer möglichst ruhigen Umgebung aufgenommen werden.

20:30

Wenn ihr lieber einen Text schreibt, den ich an eurer Stelle einlesen darf, sollte dieser ca. 3000 Zeichen mit Leerzeichen nicht überschreiten. Schickt mir eure Beiträge bitte bis Montag, den 21. Juli abends.

20:44

Im Voraus danke ich euch bereits jetzt herzlich. Ich habe übrigens inzwischen eine Webseite zum Podcast angelegt, welche die Kommunikation und Kontaktaufnahme via Kommentarfunktion ein bisschen einfacher gestaltet.

21:00

Den Link findet ihr in den Infos zum Podcast, ebenso meine Mailadresse. Das war's für heute wieder. In zwei Wochen geht's weiter. Für Fragen, Themenwünsche, Anregungen und Rückmeldungen aller Art schreibt mir bitte gern.

21:16

Ich bedanke mich herzlich fürs Zuhören. Schön, dass ihr da seid. Ciao und bis zum nächsten Mal.