Hallo zusammen und herzlich willkommen zu meinem 17. Podcast, der zugleich der dritte gemeinsame Podcast ist, da auch diesmal wieder andere Menschen ihre Ansichten mit uns teilen.
Ich bedanke mich einmal mehr sehr herzlich für all die lieben Rückmeldungen zu meinem Podcast, die ich in der letzten Zeit erhalten habe. Es ist für mich sehr ermutigend zu lesen, dass meine Gedanken zur Neurodivergenz bei euch etwas auslösen und da und dort sogar dabei helfen dürfen, die eigenen Verhaltensweisen und das Leben im Spektrum generell besser zu verstehen.
Also, herzlichen Dank! Zum Einstieg der heutigen Folge lese ich gerne einen Text vor, der mir begegnet ist. Wir betrachten Autismus als eine grundlegende und wesentliche Besonderheit des Gehirns, die unser Wesen ausmacht.
Das bedeutet, dass Autismus ein wichtiger Teil unserer Persönlichkeit und unserer Art, in der Welt zu sein, ist." Zitat Ende.
Ein Satz, der mir richtig tut. Gefunden habe ich ihn auf reframingautism.org und übersetzt hat ihn Diepl für mich.
Er tut mir gut, denn er erinnert mich daran, dass unser Hirn von Anfang an dazu beigetragen hat, dass ich die Welt so sehe, wie ich sie sehe. Und das ist genau richtig so.
Auch wenn ich mich immer mal wieder über mein Anderssein nerve, weil es doch oft zu anstrengend ist.
Nach meinem Aufruf vor zwei Wochen sind drei Beiträge über das Sammeln, Listen und Ordnen bei mir eingetroffen. Die Ferienzeit macht sich hier deutlich bemerkbar, umso kostbarer sind sie mir diese drei Stimmen aus dem Fediversum.
Als erstes lese ich euch gern Ulrikes Text vor. Gern würde ich ihn in ihrem österreichischen Dialekt vortragen, doch das kann ich leider nicht. Ich heiße Ulrike, bin 51 Jahre alt und habe im Juni meine ASS-Diagnose erhalten.
Ich bin also noch mittendrin in mich sortieren. Grundsätzlich schätze ich Ordnung und mag es, wenn Dinge ihren Platz haben, damit ich keine Zeit mit Suchen verschwenden muss.
Wenn Dinge am Boden zwischengelagert oder Flächen vollgeräumt sind, habe ich das Gefühl, dass mir das Luft und Platz nimmt und es fühlt sich an wie visueller Lärm. Meine Bücher sind nach Autoren und Autorinnen alphabetisch sortiert bis auf die Fachbücher, die nach Thema, die DVDs nach Filmtiteln.
Ja, von Serien habe ich auch gern alle, macht ja auch keinen Sinn sonst, oder? Da ich viele Bücher und DVDs gebraucht kaufe, muss ich damit leben, dass eine Reihe eventuell aus gebundenen und Taschenbüchern besteht oder DVDs und Blu-rays.
Ein wenig stört mich das zwar, aber ich will es ja nicht übertreiben. Der Inhalt ist ja derselbe.
Listen hätte ich gerne, aber da für mich am Laptop sitzen Arbeit ist und kein Freizeitbegnügen, führe ich keine. Außerdem kommen dauernd neue Dinge dazu und ich sortiere wieder aus.
Da wäre es mir zu mühsam, das ständig zu bearbeiten. Aber da kommt ein für mich wichtiger Punkt, aussortieren. Bei Bekleidung jedes halbe Jahr, wenn von luftiger auf warme Kleider gewechselt wird und umgekehrt.
Da gebe ich dann die Sachen weg, die sich als nicht angenehm erwiesen haben, nicht fein auf der Haut oder kneift irgendwo oder muss dauernd gleich gezogen werden. Auch bei Büchern und DVDs wird ausgemustert, wenn der Platz knapp wird.
Nicht immer leicht, wenn der Partner gern alles behalten möchte. Durch Sortieren um zu trennen, in was möchte ich behalten, was kommt weg, finde ich sehr beruhigend und sammelnd und gibt immer wieder Platz für Neues.
Es gibt mir auch wieder Überblick, Struktur und kann Phasen abschließen. Zum Beispiel, nachdem ich meine Haltung zu Alternativmedizin und Energetik geändert hatte, durfte das ganze Zeug das Haus verlassen und Platz machen für wissenschaftliche Literatur.
bis auf ein paar wenige Erinnerungsstücke. Also Sammlungen werden auch gern wieder weggegeben, wenn ihre Zeit vorbei ist. Oder nach dem Ende einer Beziehung dies mit Aussortieren abschließen.
Das hilft mir, mich im Da-bin-ich-jetzt zurechtzufinden. An meinem Arbeitsplatz bin ich auch meist die Person, die dafür sorgt, dass Dinge dort zu finden sind, wo sie sein sollten.
Und die Person, die die findet, die an ihrem Platz sein sollten, es aber nicht sind. Regelmäßig merke ich dann, dass ich noch immer kein Detektivabzeichen bekommen habe.
Zitat Ende.
Annette, ebenfalls aus dem Fadeiverse, schrieb mir folgende Zeilen. Am besten sieht man das bei mir beim Wäsche aufhängen, sowohl zum trocknen als auch im Schrank. Da gibt es bestimmte farbliche Anordnungen und Ausrichtungen auf dem Trockenständer oder den Bügeln im Schrank.
Auch bei Handtüchern zum Beispiel. Wer sich nicht daran hält, wird von mir nachgebessert. Sammeln ist allerdings nicht mehr so mein Thema, aber Listen und wie Dinge angeordnet sein sollen.
Ich kann super sortieren und logische Ordnung ins Chaos bringen. Bei Listen und Ordnung geht es um logische Struktur und Effizienz. Zum Beispiel kann ich Kleidung leichter finden, wenn sie nach Farbe angeordnet ist.
Oder Einkäufe lassen sich besser planen, wenn ich im Vorratsbereich direkt sehen kann, ob Erbsen fehlen oder Marmelade. Leider ist mein Mann da weniger konsequent und steckt alles kreuz und quer rein.
Dafür wird er dann regelmäßig zur Inventur abkommandiert.
Da fällt mir meine liebe Freundin L ein, wenn ich von Anettes Ordnungssystem nach Farben lese.
Da Ls Lieblingsstimming das Stricken ist und sie dies wirklich sehr leidenschaftlich tut, hat sie einen wunderbaren Wollvorrat und dieser ist, ihr ahnt es, wunderbar nach Farben geordnet.
Ihr Wolforat ist ein sich stetig wandelndes Kunstwerk, das die Augen gleichermaßen wie das Herz erfreut. Zum Abschluss lese ich euch vor, welche Gedanken sich Sonja zu unserem heutigen Thema gemacht hat.
Ich bin Sonja, 41 Jahre alt und habe die Diagnose AUDHS erst kürzlich erhalten. Fragen aus Autismustest-Fragebögen nach Sammlungen würde ich ebenfalls mit Nein beantworten, auch heute noch.
Die sind nicht so gestellt, als wollten sie Dinge beispielhaft nennen, sondern sie benennen diese Dinge ganz explizit und schließen andere aus. Ich muss bei der Frage nach dem Sammeln tatsächlich nachdenken, denn ich sammle eigentlich nicht so richtig.
Wahrscheinlich weil bei mir ADHS stark bewegt. Höchstens vielleicht Kommunikation. Ich nutze mein Mobiltelefon überwiegend und eine absurd hohe Stundenzahl jeden Tag, um mit Menschen zu kommunizieren.
Seit es irgendwann erst SMS und dann DSL und Messenger gab. Schriftliche Kommunikation mit Menschen war mir seither enorm wichtig. Mich mitteilen und austauschen mit Menschen, die nicht in meinem üblichen Dunstkreis sind.
Vielleicht tatsächlich, um etwas zu sammeln. Erfahrungen, neue Sichtweisen, Offenheit. Mein Mobiltelefon ist dazu heute der Schlüssel und jedes Mal, wenn eins kaputt geht, ist das ein Problem, weil ich so oft meine gesammelte Kommunikation nicht mehr retten kann.
Ordnung ist bei mir auch etwas, das nach der Logik meines Autismushirns passiert, aber oft irgendwie auch sehr zufällig, dank ADHS. Ich räume etwas irgendwo hin, da muss es dann aber schon auch sein, wenn ich es suche, auch wenn der Ort nicht sinnvoll ist.
Wenn der Mann die Spülmaschine einräumt, räume ich sie um, bis es richtig ist. Das gleiche gilt für Wäsche auf dem Wäscheständer und vielem anderen. Durch ADHS ist Ordnung leider schwierig zu erreichen und noch schwieriger zu erhalten.
Mein Autismus-Hirn braucht Ordnung und Struktur, das ADHS-Hirn ist nicht in der Lage, das richtig zu machen. Immerhin hält das Autismus-Hirn die wildsten Auswüchse meist in Schach.
Was für mich definitiv zur Ordnung gehört, das Anfertigen von Listen. Für Einkäufe, für die Gerichte, die ich in einer Woche zubereiten möchte, für Urlaube natürlich Packlisten und als Wichtigstes die To-Do-Listen.
Leider bin ich da auch nicht ganz so strukturiert, wie ich gern wäre und nutze keine speziellen Apps. Für mich funktioniert meist die Notiz an mich im Signal, wo ich all diese Listen erstelle.
Auch diesen Text tippe ich dort. Mein einziges wirkliches Ordnungssystem ist mein Haushaltsbuch in Form einer Excel-Tabelle, die ich in den vergangenen Jahren immer weiter an meine Bedürfnisse angepasst habe.
Darin sind detailliert alle meine Finanzen aufgeführt. Das beruhigt mich und lässt mich nachts ruhig schlafen. Ich bin auch nicht so gut darin, Muster in visuellen Dingen zu sehen oder in Zahlenreihen.
Ich sehe dafür Muster und Zusammenhänge in abstrakteren Dingen. Für mich sind beispielsweise Veganismus und Feminismus und Antikapitalismus und Antirassismus und noch eine Menge dieser Dinge mehr im Prinzip dasselbe.
Sie hängen untrennbar zusammen, wie die Seiten einer Medaille, nur dass es eben viel mehr als zwei Seiten sind. Zitat Ende Ich
danke euch herzlich, dass ihr trotz Sommerhitze und Ferienzeit mitgemacht und eure Beiträge eingereicht habt. Wie schon erwähnt, gibt es inzwischen eine Webseite zum Podcast, welche die Kommunikation und Kontaktaufnahme via Kommentarfunktion ein bisschen einfacher gestaltet.
Den Link findet ihr in den Infos zum Podcast, ebenso meine Mailadresse. Und das war's auch schon wieder für heute. In zwei Wochen geht's weiter. Für Fragen, Themenwünsche, Anregungen und Rückmeldungen aller Art schreibt mir gern.
Ich bedanke mich herzlich fürs Zuhören. Schön, dass ihr da seid. Ciao und bis zum nächsten Mal.